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Bebauungsplan von ARGUS concept Grundlage für Planspiel an der Universität Hamburg
planspiel.jpgDer von ARGUS concept erstellte Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Mienenbüttel, Deutschlands derzeit größte Logistikplanung, war Grundlage eines Planspiels zum Baurecht an der Universität Hamburg. Dieser Bebauungsplan sorgte neben weiteren Logistikplanungen im Umfeld von Hamburg für große Proteste innerhalb der Bevölkerung und wurde deshalb und aufgrund seiner komplexen Fragestellungen als ideales Lehrbeispiel erwählt. Viele Menschen finden das Verwaltungsrecht nicht besonders spannend. Als besonders unspannend wird dabei nicht selten das Baurecht empfunden. Der Dozent steht also vor einer sehr schwierigen Aufgabe: Nicht nur hat er das im Einzelnen durchaus komplexe Rechtsgebiet zu vermitteln, er muss zudem auch noch vielfach fehlendes Interesse wecken. Im inzwischen fast beendeten Wintersemester 2008/2009 hat es dafür einen ganz neuen Ansatz gegeben: Die Veranstaltung eines Planspiels zum Baurecht. Das Magazin hat für Euch mit den Veranstaltern und Teilnehmern gesprochen. Es wurde nicht gegeizt: Gut 5.000 EUR sowie zwei Monate Arbeitszeit wurden in die Entwicklung und Durchführung des von Prof. Dr. Ramsauer und seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Dirk Bernhardt und Henrik Möller betreuten Planspiels zum Baurecht gesteckt. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei einerseits von den studentischen Hilfskräften, sowie durch Fördermittel der Universität, der Fakultät, sowie der Rechtsanwaltskanzlei Oberthür & Partner und der Buchhandlung boysen+mauke. Und was sie auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen: Ein Planspiel, in dem es darum ging, sich in die Lage eines Dorfbewohners zu versetzen, in dessen Nachbarschaft Europas größtes Gewerbegebiet entstehen soll.
Besonders spannend dabei: Der Fall war nicht theoretischer Natur, sondern basierte komplett auf der Planung des "LogParks Hamburg" in der Gemeinde Neu Wulmstorf, Landkreis Harburg, die auch im realen Leben auf erheblichen Widerstand stieß und zum Zeitpunkt des Spiels beim OVG Lüneburg anhängig war. Entsprechend konnte auch kooperiert werden: "Wir haben bei der Gemeinde die Unterlagen eingesehen und kopiert, ebenso hat uns der Landkreis Harburg und die Bürgerinitiative 'BI für Mienenbüttel' Unterlagen bereitgestellt.", erläutert uns Henrik Möller.
Aufgabe für die Teilnehmer war es, einerseits eine so genannte Einwendungsschrift für die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Planaufstellung zu formulieren und andererseits anhand verschiedener Fragestellungen zu klären, ob ein der entsprechende Bebauungsplan überhaupt rechtmäßig wäre. Um das zu bewerkstelligen, wurde den Teilnehmern online das gesammelte Material zur Verfügung gestellt - von der Planbegründung über die Stellungnahmen betroffener Träger öffentlicher Belange bis hin zu übergeordneten Plänen und Gutachten zu den Auswirkungen des Plans. Klingt nach viel Arbeit - und das war es auch, wie uns die Teilnehmer bestätigen: Nils Drebold, Gewinner des Planspiels schätzt seinen Arbeitsaufwand auf 70 Stunden. Und auch der Zweitplatzierte Hanjo Hamann hat nach eigenen Angaben zig Stunden investiert. Das jedoch wurde auch belohnt: Nils durfte sich über einen Büchergutschein im Wert von 400 EUR freuen, Hanjo über 300 EUR in derselben Form, die Dritt- und Viertplazierten über je 200 EUR. Und leer ist niemand ausgegangen: Für die Plätze 5 bis 15 gab es einen Sachpreis sowie ebenfalls je einen Büchergutschein im Wert von 50 EUR. Die stattlichen Preise waren jedoch nicht der ausschlaggebende Grund für die Teilnahme: "Rein finanziell - also auf Arbeitsstunden gerechnet - lohnten sich nicht einmal die höchsten Preise. Aber dabei gewesen zu sein, praktische Anwendung erfahren und sich ein Erfolgserlebnis selbstständig erarbeitet zu haben - das ist der langfristige Gewinn, dessentwegen sich die Teilnahme wirklich lohnt.", meint Hanjo. Bei Gewinner Nils entwickelte sich aus der Spielteilnahme gar eine Eigendynamik: "Am Anfang war es nur reine Neugierde, was denn in der Praxis von einem verlangt wird. Nach dem ich die ersten Seiten dann geschrieben hatte, wurde daraus aber mehr und mehr Begeisterung, wenn nicht sogar Ehrgeiz, das Planspiel zu gewinnen." Gelernt haben jedenfalls alle etwas - auch diejenigen, die sich hinterher nicht zu den Erstplatzierten zählten. Björn Lippke betont, dass es sinnvoll sei, einmal praktisch nachzuvollziehen, welche Dimensionen Arbeit mittels weniger Paragraphen Gesetzestext entstehen können. "Einen solchen Einblick zu bekommen, war eine tolle Chance, die wir gerne wahrgenommen haben. Insbesondere der Umgang und die Bedeutung einzelner Vorschriften ist hierdurch klar geworden und hat sich auch durch dieses praktische Arbeiten stark verfestigt." Zwar ist in Hamburg die Normenkontrolle gem. § 47 VwGO und damit auch die reine Prüfung eines B-Plans als Examensklausurthema aufgrund der Ausgestaltung der Prüfungsgegenständeverordnung nicht denkbar - inzidenter können einem die Probleme aber natürlich durchaus über den Weg laufen. Erstaunlich mutet an, dass es nicht mehr Teilnehmer als Preise gab, insbesondere angesichts der Tatsache, dass das Spiel quasi Bestandteil des vorlesungsbegleitenden eLearning-Konzeptes war, viele schöne Preise winkten und auch Teamarbeit möglich war. Die Studierenden haben unterschiedliche Erklärungen: Björn sieht das Problem maßgeblich in der Terminierung - das Spiel erstreckte sich auch auf die Weihnachtszeit. Eine Erklärung der auch Nils zustimmt und hinzufügt, dass die Bearbeitungszeit zudem in die erste Klausurenphase fiel. Hanjo sieht darüber hinaus das viel grundsätzlichere Problem der Verschulung und des Leistungsdrucks im Studium: "Wenn schon die Pflichtleistungen kaum noch zu schaffen sind, wer mag sich da der akademischen Kür widmen?" Eine wahrhaft berechtigte Frage, der man sich hoffentlich auch bei der für die Zukunft vorgesehenen Änderung der Studienordnung annehmen wird. Eines steht jedoch fest - das veranstaltete Planspiel wird nicht das letzte gewesen sein: "Wir haben uns vorgenommen, in möglichst jedem Semester ein Planspiel anzubieten, um die Vorlesung und die AG zum Baurecht durch praxisbezogenes eLearning zu ergänzen. Im nächsten Semester nehmen wir den gleichen Praxisfall, der bereits aufbereitet in Internet veröffentlicht ist - aber dann mit einer anderen Aufgabenstellung. Für die dann folgenden Semester werden wir uns einen neuen Praxisfall suchen und die Planungsunterlagen dafür bei Behörden und betroffenen Bürgern zusammentragen und für die Studierenden aufbereiten und wiederum im Internet veröffentlichen.", erklärt Dirk Bernhardt. Da bleibt uns nur, allen künftigen Teilnehmern viel Erfolg, viel Spaß und viele Erkenntnisse zu wünschen.

Jens Kahrmann

Quelle:  http://studium.jura.uni-hamburg.de/magazin/index.php?ausgabe=200903
 
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